Architektur in Backnang
1940er-Jahre in Backnang – Teil 5
Im Zweiten Weltkrieg kam das Bauwesen durch die Umstellung auf Kriegswirtschaft, die Einziehung der Arbeitskräfte zum Kriegsdienst und den damit verbundenen Mangel an Arbeitskräften wie Baumaterial weitgehend zum Erliegen. Insofern wurden die in den 1930er-Jahren angedachten Projekte öffentlicher Bauten im Stadtzentrum nicht ausgeführt.
Ebenso wenig kam die 1941 konzipierte Arbeitersiedlung der Lederfabrik Louis Schweizer oberhalb der Eckertsklinge zur Ausführung. Zu den wenigen 1940 verwirklichten Projekten gehörte die Frauenarbeitsschule in der Stuttgarter Straße. Außerdem konnte 1940 das im Landhausstil gehaltene neue Dienstwohngebäude in der Hegelstaße vom Landrat bezogen werden. Der katholische Stadtpfarrer Max Hanser machte sich trotz widriger Umstände 1941 an eine innere Umgestaltung der Kirche St. Johannes Baptist nach Plänen des Stuttgarter Architekten Alfred Schmidt, die allerdings in Anfängen steckenblieb und auch nach Kriegsende 1945 – 1947 nur unter größten Schwierigkeiten durchgeführt werden konnte. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Bauwirtschaft nur langsam wieder in Schwung. 1946 wurde die Etzwiesenbrücke wiederaufgebaut. Um den Wohnraummangel zu beheben, machte sich die Baugenossenschaft 1947 an ein Versuchsprojekt mit einem Lehmhaus in der Ostendstraße 28 in der Sachsenweilersiedlung. Das zweite Haus wurde aber schließlich doch in Massivbauweise ausgeführt. Unter dem neuen Namen Kreisbaugenossenschaft entstanden nach der Währungsreform 1948 zahlreiche Wohngebäude. Zu den ersten gehörten 1948 Doppelhäuser und das Gemeinschaftshaus in der Sachsenweilersiedlung und Zwölffamilienhäuser im Benzwasen. Die Stadt errichtete ein Zwölffamilienhaus in der Taus. Außerdem ließen einige Backnanger Industriebetriebe Werkswohnungen bauen. Im Jahr 1949 entstanden immerhin bereits 197 neue Wohnungen. Neben der Villa Kaelble entstand 1949 an der Aspacher Straße ein weiteres Wohnhaus der Familie (Architekt Karl Kress) als Walmdachgebäude mit Sprossenfenstern in Hanglage und Blick über das Murrtal.
1949 wurde das Murrtalviadukt der Umgehungsstraße unter Wiederverwendung einiger Stahlbetonteile als Stahlkonstruktion wiederaufgebaut. Die Form der inzwischen durch einen Neubau ersetzten Brücke zitierte die ursprüngliche Form mit zwei weit gespannten Bögen. Beratend war wieder der ursprüngliche Architekt Paul Bonatz beteiligt.
Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer