Reste der originalen Bemalung freigelegt
Ein Besuch der Restaurierungsarbeiten in der Aussegnungshalle Teil 2
„Leider weiß man nicht, wie das Muster um den Bogen weiterging. Dort konnten keine Befunde gewonnen werden,“ bedauert der Restaurator. Die am besten erhaltenen Stellen sind im Bogen, der zur durch die Orgel verstellten Apsis überleitet. Dort erkennt man gut einen Fries aus gemalten Spitzbögen, die kleine Kreuze rahmen. Zu erahnen ist, dass den Hintergrund der Kreuze wohl gemalte Lichtstrahlen bildeten. Die Aussegnungshalle hatte also ursprünglich eine deutlichere christliche Ikonografie als heute, wo nur noch das Kreuz im Zentrum der Orgel auf das Christentum verweist.
Auch an den seitlichen Pfeilern kann der Restaurator Malereireste zeigen. Auf der linken Seite hat er einen ganzen Bogen freigelegt. Zu erahnen sind ähnliche Motive wie im Chorbogen, aber etwas einfacher. Andreas Brückner erläutert, warum das Motive kaum mehr zu erkennen ist: „Wir sehen nur noch die Vorzeichnung. Die eigentliche Malerei verschwand bei einer Neuausmalung. Die originalen Leimfarben wurden einfach abgewaschen.“ Auch am ersten Bogen zum rechten Seitenschiff fanden die Restauratoren Reste der Originalbemalung, darunter ein leuchtendes Hellblau.
Das komplette Dekorationskonzept von 1925 ist allerdings nicht mehr nachvollziehbar. Die 1925 vorgesehene, wohl den ganzen Raum durchziehende Dekorationsmalerei, wurde allerdings wohl nur teilweise ausgeführt. Die beiden Künstler sind bekannt. Es handelte sich um den in Bad Cannstatt lebenden Maler Hermann Metzger (1896 – 1971), der als „malender Chronist Cannstatts“ und Heimatforscher bekannt war. Er war Mitbegründer des Kunsthöfles und Mitbegründer des Kübelesmarkts.Der zweite Maler war ein Backnanger. Hermann Erlenbusch (1890 – 1976) war ein angehender Künstler, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Er musste er sein Kunststudium in Berlin abbrechen und war dann als Kirchenmaler in Norddeutschland tätig. 1925 nahm er sein Kunststudium in Stuttgart wieder auf. In diese Zeit fällt die Ausmalung der Aussegnungshalle. Hier kam ihm seine handwerkliche Grundlage als Dekorationsmaler zugute. Später entwickelte er sich zu einem Maler der Neuen Sachlichkeit. In Backnang ist von ihm an der Stadthalle noch ein Wandbild zu sehen.
Andreas Brückner, der zusammen mit seiner Kollegin Katja Welbers seit einigen Jahren in der Aussegnungshalle arbeitet, kennt diesen Raum inzwischen sehr gut. Die beiden haben sich eingehend mit der Ästhetik des Baus beschäftigt.Der 1960 in Remscheid geborene und heute in Schorndorf lebende Maler und Restaurator Andreas Brückner hat schon an vielen Gebäuden gearbeitet. Während seiner Ausbildung wirkte er an der Restaurierung der Klosterkirche Zwiefalten mit. Zu seinen Großprojekten gehörten die Wieskirche und das Neue Museum in Berlin. In Backnang hat er sich mit dem Totenkirchle und der Friedhofkapelle beschäftigt.
Die freigelegten Malereien im großen Spitzbogen und links der Orgel bleiben sichtbar. Die kleinen Sondagefenster an den Wänden und in den Gewölben werden ebenso wie jene an den Arkaden zu den Seitenschiffen im Laufe dieser Woche wieder geschlossen. Restauratorin Katja Welbers klebt vorsichtig Japanpapier als Trennschicht und Grundlage für die Spachtelmasse auf, damit bei Bedarf die Sondagefenster wieder geöffnet werden können.
Redaktion backang.online | Klaus J. Loderer