Prof. Dr. Klaus Hentschel | © BJ. Lattner

Lichtquanten – der 88. Vortrag für jedermann im Backnanger Technikforum

Vortrag von Prof. Dr. Klaus Hentschel, Uni Stuttgart

Vortragsveranstaltung für jedermann“ – So ist die Veranstaltungsreihe überschrieben, die der Förderverein Technikforum Backnang e.V. seit vielen Jahren im besonderen Ausstellungs-Ambiente des Technikforums anbietet. Jüngst ging es beim 88. Vortrag am 10. Dezember 2025 um das sehr anspruchsvolle Thema „Lichtquanten“.

Und wieder war es Jürgen Beer gelungen, einen exzellenten Experten zu gewinnen, der bereit war, hoch wissenschaftliche Zusammenhänge herunterzubrechen, um diese auch dem Laien verständlich zu machen. Am Rednerpult stand Professor Dr. Klaus Hentschel vom Historischen Institut der Universität Stuttgart. Physik, Philosophie, Wissenschaftsgeschichte und Musikwissenschaft waren seine Studienfächer. Sein Fachgebiet heute: die Geschichte der Naturwissenschaften und Technik. Zahlreiche Auszeichnungen begleiten sein wissenschaftliches Arbeiten, und seit 2004 ist er Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften mit Sitz in Halle.

Sein Thema an diesem Abend war ohne Zweifel ein außergewöhnliches! „Lichtquanten – eine Fallstudie zur Entstehung und Veränderung von Begriffen und mentalen Modellen in den Naturwissenschaften“. Rund 90 Zuhörerinnen und Zuhörer waren der Einladung gefolgt. Während es in den vorangegangenen Vorträgen des Jahres um Rechenmaschinen, den Leichtbau im Flugzeug wesen, Raketenantriebe und die Künstliche Intelligenz ging, hatte der Vortrag Professor Hentschels einen eher theoretischen Ansatz und ebenso einen historischen! Nicht die konkrete Funktionsweise von Hightech-Anlagen oder von modernsten Sprachmodellen stand hier im Mittelpunkt, sondern ein Einblick in die spannende Entwicklung von Erklärungsansätzen zum Thema Licht. Er zeichnete das Ringen um die Bildhaftigkeit höchst komplizierter Zusammenhänge nach, um mentale Modelle als Beitrag zur Forschung! 

So seien mentale Modelle letztlich „geistige Krücken zur Bewältigung von Problemen“, somit eine Art Werkzeug und nützlich – nicht nur für Naturwissenschaftler, sondern auch für Laien, um grundlegende Annahmen von Naturwissenschaft und Technik verstehen zu können.

Der Professor ging in seinen Ausführungen auf durchaus bekannte Wissenschaftler ein, unter anderem auf Newton, Planck und natürlich auch Einstein! Interessant war dabei zu sehen, wie behutsam, wie vorsichtig diese Physiker sich herantasteten an Erklärungsversuche zum Wesen des Lichts. Dabei wurde gestritten, argumentiert und vermutet. Besteht Licht nun aus Teilchen oder aus Wellen? Oder gar aus beidem? Er zeigte, wie Begriffe eingeführt und eine vielschichtige Entwicklung durchlaufen hatten, in diesem Falle 12 Schichten – von den „Lichtquanten“, über „Lichtenergiequanten“ hin zum Begriff der „Photonen“ als kleinste Einheit von Licht. 

Es wurde allerdings auch deutlich, dass die Ergebnisse von Experimenten oft nicht deckungsgleich mit den beschriebenen Modellen waren und so veränderte Ansätze auf den Weg brachten. Interessant auch, dass unterschiedliche Physiker unabhängig voneinander forschten und modellierten, es im Jahr 1905 zu einer Art Fusion von „Ideensträngen und Experimentaltradition“ kam und damit ab 1925 eine neue Grundlage für die Lichtforschung entstanden war, der so genannte „Welle-Teilchen-Dualismus“. 

Doch auch heute noch, 100 Jahre später ist die Deutung des Lichtquantums keineswegs abgeschlossen und noch sehr umstritten. Der Name ist geblieben, aber seine Bedeutung hat sich weiter verändert und wurde immer abstrakter. Vieles ist auch heute noch unklar, und letztlich sei jeder neue Definitionsversuch unvollständig, so der Referent. Der Vortrag von Professor Dr. Hentschel machte am Beispiel des Lichts bzw. der Lichtquanten deutlich, dass Widersprüche in der Wissenschaft den Fortschritt letztlich vorantreiben können. Eine abschließende Erklärung ist auch hier noch nicht erreicht. Es darf weiter geforscht werden! 

Am Ende gab es heftigen Applaus für den hoch interessanten Vortrag, der das Jahr 2025 abschloss. Auch im Kalenderjahr 2026 wird die Vortragsreihe fortgesetzt. Wieder sind von Jürgen Beer sechs Vorträge geplant. Themen werden die Medizinrobotik sein, ebenso neue landwirtschaftliche Anbaumethoden. Das Thema Künstliche Intelligenz erfährt eine Fortsetzung, die Möglichkeiten der Bionik werden aufgezeigt werden und ebenso die Bedeutung von Magnetmaterialien für erneuerbare Energien. Die konkreten Veranstaltungstermine sind im Vorfeld der Homepage des Technikforums zu entnehmen.

Die „Vorträge für jedermann“ haben sich neben der Technikwerkstatt für Kinder und Jugendliche zum Hauptpfeiler der Arbeit des Fördervereins Technikforum Backnang entwickelt. Wissenschaft und Technik einem breiten Publikum näher zu bringen, sie verständlich zu machen und Interesse oder gar Begeisterung dafür zu wecken, das sind die Zielsetzungen des Fördervereins. Die Ausstellung der vier wichtigsten Backnanger Industriezweige bietet dafür eine hervorragende Bühne.

Link zum Förderverein Technikmuseum Backnang e. V.

 

Quelle: Förderverein Technikforum Backnang e. V. | Heinz Harter