„Backnang beweist, dass Zukunft vor Ort gemacht wird“
60. Neujahrsempfang der Großen Kreisstadt Backnang im Backnanger Bürgerhaus
Dass die Schornsteinfeger für die Gäste Spalier stehen und kleine Glücksbringer verteilen, ist eine schöne Tradition beim Neujahrsempfang im Backnanger Bürgerhaus. Wo sieht man noch so viele Herren in glänzenden Zylindern zusammen? Der Neujahrsempfang selbst hat ebenfalls eine langjährige Tradition. Zum 60. Neujahrsempfang lud die Stadtverwaltung Backnang für den 9. Januar 2026 ein. Zahlreiche Bürger folgten der Einladung. Im Saal blieben allerdings doch einige Stühle unbesetzt. Zum Neujahrsempfang gehört immer eine Bestandsaufnahme zu aktuellen Dingen in Backnang und eine Vorschau über die anstehenden Aufgaben. Oberbürgermeister Maximilian Friedrich spannte seine Rede von in Backnang entstehende Projekte zu Wohnen und Hochwasserschutz bis zur Großbaustelle der Bundesstraße 14, würdigte Kultur und Schulen als Investitionen in die Zukunft. Immer wieder sprach er die anwesenden Politiker aus Bund und Land mit Forderungen direkt an.
Im Foyer des Backnanger Bürgerhauses präsentierten sich zwei Vereine, die in diesem Jahr ein Jubiläum feiern können. Die Schwimmabteilung der TSG Backnang kann auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken. Der Gesangsverein Harmonie Waldrems-Heiningen ist sogar 125 Jahre alt. Oberbürgermeister Maximilian Friedrich bekannte sich in diesem Zusammen zu einer weiteren Förderung der Vereine: „Gerade Kultur und Sport zeigen uns immer wieder, was unsere Stadt im Innersten zusammenhält. Sie bringen Menschen zusammen – unabhängig von Herkunft, Alter oder persönlicher Lebenslage. In einer Zeit, in der vielerorts der Rotstift angesetzt wird, ist ihre Förderung keine Selbstverständlichkeit, sondern eine bewusste Entscheidung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Lebensqualität.“
Für seine Rede hatte der Oberbürgermeister die Metapher des halbvollen oder halbleeren Glases gewählt, die sich als roter Faden und Pointengeber durch alle Themen zog. Darauf war sogar das musikalische Programm des Neujahrsempfangs abgestimmt. Passend spielte die Stadtkapelle Backnang unter der Leitung von Sebastian Rathmann ein Potpourri mit Melodien Frank Sinatras, denn genau von diesem ist eine Pointe über ein Whiskyglas überliefert.
Bürgernähe
„Ich kann Ihnen versichern, dass ich meinen Stil der gelebten Bürgernähe und der regelmäßigen informellen Bürgersprechstunden, wenn ich beispielsweise zu Fuß in der Innenstadt unterwegs bin, auch zukünftig fortsetzen werde,“ betonte Friedrich unter Hinweis darauf, dass man ihm kurz vor Weihnachten die Autoreifen zerstochen habe. Einschüchterung dürfe für engagierte und Verantwortung tragende Menschen nicht zur Normalität werden. Gerade Blaulichtorganisationen sehen sich immer wieder mit Anfeindungen, Bedrohungen und Übergriffen konfrontiert. Hier stellte der Oberbürgermeister klar: ”Wer für unsere Stadt arbeitet oder sich für sie engagiert, verdient Schutz, Rückhalt und Respekt. Übergriffe und Einschüchterungsversuche – gegen wen auch immer – dürfen in Backnang keinen Platz haben.“
Forderung nach Entbürokratisierung
Auch die Themen Digitalisierung und Entbürokratisierung sprach das Stadtoberhaupt an: „Unsere Verwaltung arbeitet nachdrücklich daran, moderner, serviceorientierter und digitaler zu werden.“ Die Stadtverwaltung müsse den Bürgern einfache und direkte Zugänge bieten. Friedrich appellierte an die Entscheidungsträger in Bundes- und Landtag – diese waren beim Neujahrsempfang durch die Bundestagsabgeordneten Dr. Ingeborg Gräßle und Ricarda Lang und die Landtagsabgeordneten Simone Kirschbaum und Ralf Nentwich vertreten: „Unterstützen Sie Kommunen wie Backnang mit vereinfachten Verfahren, pragmatischen Regelungen und moderner Infrastruktur, damit wir unsere Serviceangebote weiter verbessern können.“Mit einer gesunden Entbürokratisierung lasse sich sinnvoll Geld sparen, so Friedrich. Als Beispiel für Bürokratieabbau hob er die Werbeanlagensatzung für Backnang hervor, mit der die Stadtverwaltung für ein vereinfachtes Verfahren gesorgt habe. Im städtebaulichen Bereich stellte Friedrich das neue Wohnkonzept im Blütengarten vor: „Es ist ein neues Wohnkonzept für Backnang: bezahlbarer Wohnraum, vermietet über einen Mieterverein, kombiniert mit hohen ökologischen Standards und kostengünstigem Bauen durch den bewussten Verzicht auf überzogene Baustandards.“ In der Innenstadt gehe es Sauberkeit und Sicherheit.
Sperrung des Zugverkehrs droht 2027
Ein sich seit Jahrzehnten durch die Reden wechselnder Oberbürgermeister ziehendes Thema ist der Ausbau der Bundesstraße 14. „Schritt für Schritt nimmt diese neue Verkehrsachse Gestalt an,“ berichtete Oberbürgermeister Friedrich. Im Frühjahr 2026 soll das zweite Murrtalviadukt fertig werden. Aber er kündigte auch an: „Besondere Herausforderungen liegen noch vor uns.“ Damit meinte er die Unterbrechung des Zugverkehrs für rund drei Monate im Somm er 2027. Die Unterbrechung des Straßenverkehrs soll wesentlich kürzer sein. Die Bahn wolle die Sperrung der Bahnstrecken dazu nutzen die Bahnhöfe in Backnang und Maubach auf Vordermann zu bringen. Friedrich ergänzt: „Noch schöner wäre es, wenn dann auch Züge führen,“ womit er auf die zahlreichen Unterbrechungen des Zugverkehrs in letzter Zeit anspielte. Er relativiert aber auch gleich: „Aber da will ich nicht zu skeptisch sein.“
Im Bereich Hochwasserschutz berichtete der Oberbürgermeister über das Hochwassserbecken in Oppenweiler, das den Schutz der Backnanger Innenstadt verbessern soll. Der Sicherheit Strümpfelbachs diene das Hochwasserrückhaltebecken Brunnenwiese.
„Wir benötigen endlich wieder echte strukturelle Reformen“
Bildung, Kultur und soziale Infrastruktur wertete Friedrich als unverzichtbar für den Zusammenhalt der Stadt: „Trotz enormer finanzieller Belastungen halten wir an Investitionen in unsere Schulen und an einer verlässlichen Bildungsinfrastruktur fest. Gerade in knappen Zeiten gilt: Wer an Bildung, Sozialem, Kultur oder Sport spart, spart am falschen Ende.“ Auch hier sprach Friedrich die anwesenden Politiker aus Bund und Land direkt an. Um diese Dinge zu finanzieren, seien entsprechende Rahmenbedingungen notwendig. Konkret forderte Friedrich: „Wir benötigen endlich wieder echte strukturelle Reformen, den Mut für spürbare Veränderungen und einen gesellschaftlichen Wandel.“
Backnang beweise, dass Zukunft vor Ort gemacht werde, sprach der Oberbürgermeister wieder die Bundes- und Landespolitiker an: „Ihre Unterstützung ist dabei unverzichtbar, sei es bei Infrastruktur, digitaler Verwaltung oder im Rahmen der Entbürokratisierung. Gemeinsam können wir die Kommunen resilient, lebenswert und zukunftsfähig gestalten.“
Als positiven Ausblick fasste er zusammen, die anfängliche Metapher aufgreifend: „Unser Glas ist halb voll – und wir füllen es jeden Tag ein Stück weiter!“ Optimistisch verkündigte Friedrich: „Ich bin der festen Überzeugung, dass die besten Jahre noch vor uns liegen, wenn wir mutig und entschlossen uns gemeinsam auf diesen Weg machen.“
Wieder gab es Ehrungen beim Neujahrsempfang: Albert Lang erhielt die Backnanger Kanne, der Ehrenteller der Stadt Backnang ging an Dr. Annedore Bauer-Lachenmaier, Ingrid Beerkircher, Umberto Guancialino, Pia Täpsi-Kleinpeter und Helga Wilke.
Im Anschluss an den fast zweistündigen offiziellen Teil, den das Städtische Blasorchester Backnang mit dem Radetzkymarsch und der Tritsch-Tratsch-Polka beschlossen, begrüßten Oberbürgermeister Maximilian Friedrich und seine Frau persönlich die Gäste, die sich in das Defilee einreihten. Zu Sekt und kleinem Backwerk wünschten sich die Gäste im Foyer gegenseitig ein „Gutes Neues Jahr“ und tauschten Neuigkeiten aus.
Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer