Von künstlichen Blumen und Schokolade Vor 150 Jahren in Backnang – Teil 9
Obere Apotheke | © BJ. Lattner

Von künstlichen Blumen und Schokolade

Vor 150 Jahren in Backnang – Teil 9

Schokolade liegt heute in Supermärkten in großer Menge in den Regalen. Kaum sind die Nikoläuse weg, machen sich schon die Osterhasen breit. Vor 150 Jahr war Schokolade noch kein Massenprodukt, sondern eine Besonderheit. Beliebt war sie schon damals. Wo man damals in Backnang Schokolade kaufen, soll uns heute interessieren. Doch zunächst beschäftigen wir uns mit künstlichen Blumen. Dazu beschäftigen wir uns mit einem Detail aus der Geschichte des traditionsreichen Bekleidungshauses Kapphan, das viele Jahre in der Schillerstraße war.

Louise Kapphan annoncierte am 16. November 1875: „Den werthen hiesigen und auswärtigen Frauen zeige ich hiemit an, daß ich neben dem Geschäft meines Mannes das Putz- und Blumenmachen betreibe und empfehle mich in diesen Artikeln bestens, indem es mein eifrigstes Bestreben sein wird, meine Kunden reell und billig zu bedienen.“ Es handelte sich aber um kein Blumengeschäft. Die Blumen dürfte Louise Kapphan aus Stoff gearbeitet haben. Sie hat damit vermutlich die von ihr gestalteten Hüte geschmückt oder sie als Schmuck für Kleidung verkauft. Der Ehemann ergänzte: „Kinderröckchen, Herren- und Damenshawls, wollene und halbwollene Unterleibchen für Herren und Damen, sowie auch Flanellhemden empfiehlt zu geneigter Abnahme F. Kapphan.“

Schokolade in der Apotheke
Doch wo gab es nun Schokolade in Backnang? Apotheker Robert Eisenbeiß verkaufte „Chokoladen“ – wie man damals schrieb – der Gebrüder Stollwerck in Köln, die als Kaiserlich-Königlichen Hof-Chokoladen-Fabrik firmierte. Robert Eisenbeiß betrieb ab 1871 die Obere Apotheke in der Marktstraße 32. Dass früher Schokolade in der Apotheke verkauft wurde, war nicht ungewöhnlich. Der berühmte belgische Pralinenhersteller Neuhaus ging zum Beispiel aus einer Apotheke hervor. Apotheker Eisenbeiß verkaufte auch Safran und blauen Vitriol. Ersteres wurde als Gewürz benutzt, zweiteres wird heute eher Kupfersulfat genannt und hatte eine Vielzahl von Nutzungen, etwa in der Medizin oder im Weinbau gegen Pilzerkrankungen.

Es gab damals übrigens schon eine zweite Apotheke in Backnang. Im August 1875 war die von C. Veil seither in der Korngasse (heute Uhlandstraße) betriebene Apotheke zum goldenen Adler (Untere Apotheke) an den Marktplatz in das frühere Haus des Kaufmanns Müller gezogen.

Schokolade gab es auch bei Konditor G. Gebhardt. Dieser betrieb ein Café direkt an der Sulzbacher Brücke. Er bot „Chocolade und Cacao-Pulver“ der Gebrüder Waldbaur in Stuttgart an. Natürlich wurde besonders erwähnt, dass es sich um einen königlichen Hoflieferanten handelte, der in Paris, Amsterdam und Ulm Preis-Medaillen gewonnen hatte. Gebhardt verkaufte auch „Consum-Chocolade in schönster Verpackung, per Pfd. 1 Mark, empfiehlt die alleinige Niederlage.“ Diese stammte „aus der Fabrik von Starker & Pobuda in Stuttgart.“ Es gab bei ihm aber auch gelegentlich neue holländische Heringe.

 

Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer

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