Landkreis Rems-Murr und über die anhaltenden Konflikte mit Waschbären
Die Referenten von links nach rechte: Bürgermeisterin Irmtraud Wiedersatz, Forstdezernent Gerd Holzwarth, Wildtierbeauftragten Dominic Hafner und Hannah Held, Dr. Christian Fiderer, Dr. Dorian Dörge, Stadtjäger Andreas Bader | © BJ. Lattner

Das Landratsamt informiert die Bürgerinnen und Bürger über das Wildtiermanagement im 

Landkreis Rems-Murr und über die anhaltenden Konflikte mit Waschbären

Der Einladung des Landratsamtes zur Waschbär-Informationsveranstaltung am 17.03.2026 in das Florian-Haus nach Burgstetten sind rund 80 interessierte Bürgerinnen und Bürger gefolgt. Ziel der Veranstaltung war nicht nur der Austausch über die zunehmenden Herausforderungen mit den invasiven Kleinbären, sondern auch die Erörterung konkreter Maßnahmen zur Eindämmung der Population und Vermeidung von Schäden.

Mehrere Teilnehmende berichteten von eigenen Erfahrungen mit den Waschbären: Verwüstete und verkotete Gärten, verschmutzte Terrassen oder das Eindringen von Waschbären in Gebäude. 
Forstdezernent Gerd Holzwarth erläuterte, das Landratsamt stehe seit zwei Jahren mit dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) in Kontakt, um auf die Problematik von invasiven Arten in den Hotspot Landkreisen hinzuweisen. „Nur durch einen intensiven Dialog zwischen den Fachleuten und der Bevölkerung können wir nachhaltig Lösungen finden, die sowohl den Schutz unserer natürlichen Umgebung als auch das Wohl der Menschen berücksichtigen.“ So Dezernent Holzwarth.
Erste Erfolge können vermeldet werden, denn aktuell unterstützt die Landesregierung ein Waschbär-Forschungsprojekt im Landkreis in Plüderhausen und hat zudem im Januar 2026 die Durchführungsverordnung des Jagd- und Wildtiermanagementgesetz praxisnah angepasst:Waschbären können nun ganzjährig unter Beachtung des Elterntierschutzes bejagt werden. Diese Gesetzesanpassung schafft auf der Fläche und vor allem im Siedlungsbereich größere Handlungsmöglichkeiten. 

Die Kreis-Wildtierbeauftragten Dominic Hafner und Hannah Held stellten ihre Aufgaben, ihr Netzwerk und die Strategien vor, um Waschbären vom eigenen Grundstück fernzuhalten:
– Keine Wildtiere füttern, auch nicht indirekt durch offenes Haustierfutter
– Mülltonnen und Kompost sicher verschließen
– Reifes Obst ernten und Fallobst entfernen
– Mögliche Einstiege und Hohlräume an Gebäuden mit Gittern sichern
– Vergrämungsmethoden wie Lärm, Licht, Gerüche oder Wasser einsetzen
– Kleintierställe und Fischteiche absichern
Bereits durch diese Maßnahmen können viele Mensch-Wildtier-Konflikte deutlich reduziert werden.

Dr. Christian Fiderer von der Wildforschungsstelle referierte über die Biologie, die Ausbreitung und das Management des Waschbären. Ursprünglich aus Pelzfarmen entkommen, haben sich die Tiere in Deutschland durch ideale Lebensbedingungen rasant vermehrt. Hr. Dr. Fiderer wies ausdrücklich auf die möglichen Präventivmaßnahmen hin und verdeutlichte, dass die reine Entnahme von Waschbären keine nachhaltige Lö
sung darstellt. 

Besonders betroffen in Baden-Württemberg sind der Ostalbkreis, der Landkreis Schwäbisch Hall und der Rems-Murr-Kreis, die als „Waschbär-Hotspots“ gelten. Bei Konflikten können sich Betroffene an die Wildtierbeauftragten des Forstamtes oder an einen der inzwischen in 20 Kommunen eingesetzten 16 Stadtjägerinnen und Stadtjäger wenden.

Dr. Dorian Dörge von der Goethe-Universität Frankfurt, Arbeitsbereich: integrative Parasitologie und Tierphysiologie referierte über die Grundlagen von invasiven Arten, deren Auswirkung, das mögliche Management und über Wildtierkrankheiten bei Waschbären. Pointiert erläuterte Dr. Dörge den Begriff Spezies Charisma, „die Wahrnehmung von Tierarten durch Menschen auf der emotionalen Ebene“. Bestimmte Arten die sympathisch wirken bekommen mehr Aufmerksamkeit als Arten die unattraktiv sind. Diese emotionale Prägung kann Managemententscheidungen beeinflussen. Der Schluss des Vortrags endete in der Frage: „ist Nichtstun auch eine Endscheidung“? Herr Dr. Dörge beantwortete die Frage, dass nicht zu handeln faktisch bedeutet, sich gegen den Schutz der heimischen Biodiversität zu entscheiden.

Thomas Müller, Stadtjäger und Ausbilder bei der Kreisjägervereinigung Backnang erklärte den praktischen Ablauf eines Stadtjäger-Einsatzes von der Beratung über Vergrämungsmaßnahmen, bis hin zur Entnahme der Tiere anhand zahlreichen und aussagekräftigen Fotos aus der Praxis.

Im Anschluss hatten die Teilnehmenden noch ausreichend Zeit, sich mit den Fachleuten auszutauschen.

Kontakt und weitere Informationen
Die Wildtierbeauftragten sind über das Forstamt erreichbar: Telefon: 07151-501-4369 oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Weitere Informationen und eine Liste der Stadtjäger sind auf der Homepage des Landratsamtes unter www.rems-murr-kreis.de zu finden.

 Quelle: Landratsamts Rems-Murr-Kreis

Redaktion backnang.online

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