Gaststätte Waldhorn, Sulzbacher Straße | © BJ. Lattner

Neugründung des Gewerbevereins

Vor 150 Jahren in Backnang – Teil 3

Der 1862 aus dem 1848 gegründeten Handwerkerverein hervorgegangene Gewerbeverein erlebte 1874 zusammen mit der Gewerbebank einen Zusammenbruch, als deren Kassier Albert Müller mit den Geldbeständen verschwand. Nun versuchten einige Geschäftsleute eine Wiederbelebung des Gewerbevereins, wozu im Gasthaus Waldhorn am 21. Dezember 1875 eine Versammlung stattfand. Diese war wohl nicht so gut besucht, wie man aus einem Zeitungsbericht im Murrthal-Boten erfährt: „Die auf gestern Abend zur Neubildung des Gewerbevereins ausgeschriebene Versammlung, welche sich vor allem eines lebhafteren Besuches hätte erfreuen dürfen, hat sich, da auch viele Mitglieder des seitherigen Vereins zu kommen abgehalten waren, dem Antrage angeschlossen, nächster Zeit eine weitere Versammlung abzuhalten, in welcher dann die zur Wiederbelebung des Vereins nöthigen Aktionen zur Ausführung kommen sollen.“ (Murrthal-Bote 23. Dezember 1875)

Im folgenden Jahr erfolgte dann doch wieder eine Neugründung des Vereins. Am 1. Februar erschien im Murrthal-Boten eine Ankündigung zu einer Versammlung des Gewerbevereins mit Wahl der Ausschussmitglieder und des Vorstandes am 2. Februar im Gasthaus zum Waldhorn. „Zum zahlreichen Erscheinen der neuen wie der alten Mitglieder“ lud der Vorsitzende des bisherigen Gewerbevereins, Schmiedmeister Kurz, ein. Dieser trat allerdings als Vorstand zurück. Die Suche nach einem neuen Vorsitzenden scheint nach der von Buchdruckereibesitzer Friedrich Stroh verfassten Chronik in der 1898 erschienenen Festschrift nicht einfach gewesen zu sein. Neuer Vorsitzender wurde schließlich Kaufmann Louis Winter. Mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Waiblingen nach Backnang im Herbst 1876 war übrigens ein vom Gewerbeverein über Jahre verfolgtes wichtiges Ziel erreicht.

Aus dem Vereinsleben
Was tat sich sonst noch im Vereinsleben? Der Arbeiterbildungsverein hatte seine Hauptversammlung am 6. Dezember in der Gaststätte zur Eisenbahn. Wirt Karl Holzwarth bot „ausgezeichnetes Winterbier“ an. Die „Eisenbahn“ befand sich an der Ecke Dilleniusstraße mit der Eduard-Breuninger-Straße. Das Gebäude, in dem viele Jahre die Commerzbank ihren Sitz hatte, wurde kürzlich für die Kronenhöfe abgerissen.

Das Schützenmeisteramt veranstaltete seine Generalversammlung am 11. Dezember in der Gaststätte zum goldenen Lamm. Der 1872 von Teilnehmern des deutsch-französischen Kriegs 1870/1871 gegründete Kriegerverein hatte im Dezember gleich zwei Veranstaltungen. Am 2. Dezember fand im Schwanensaal eine Reunion zur Erinnerung an die Schlacht von Champigny statt. Der Schwanensaal gehörte zum Gasthof Schwanen in der Schillerstraße. Am 26. Dezember 1875, einem Sonntag, feierte der Kriegerverein seine Weihnachtsfeier im Gasthof zur Traube. Dieses Gebäude stand in der Aspacher Straße und wurde für deren Verbreiterung abgerissen. Der Turnverein traf sich am 26. Dezember im Kronprinzen. Diese 1874 eröffnete Gaststätte in der Kesselgasse hatte auch eine eigene Brauerei.

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Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer