Brezeln Bernhard J. Lattner
Laugenbrezeln | © BJ. Lattner

Der Sonntag war 1851 Brezelbacktag

Vor 175 Jahren in Backnang – Teil 7

Wir sind heute gewohnt, dass in einer Bäckerei jeden Tag eine umfangreiche Auswahl an verschiedenen Broten und sonstigen Gebäcken zu haben ist. Das war früher anders. So war zum Beispiel die heute immer noch beliebte Laugenbrezel früher ein ausgesprochenes Sonntagsgebäck. Wann welcher Bäcker Laugenbrezeln hatte, wussten die Backnanger einfach oder erfuhren es aus der Zeitung „Der Murtthal-Bote“.

Als Carl Jung die Eröffnung seiner neuen Bäckerei für den Sonntag, den 19. September 1875 annoncierte, stellte er besonders hervor, dass er jeden Sonntag Laugenbrezeln backen werde: „Da ich zu jeder Zeit gute Waare von verschiedenen Sorten und Größe führen werde und auf Verlangen ins Haus liefere, mache ich darauf besonders aufmerksam, daß jeden Sonntag Laugenbrezeln zu haben sind.“ Als Adresse erfährt man: „wohnhaft in der Korngasse, im vormals Weeber’schen Hause.“ Es handelte sich um die Adresse Uhlandstraße 14 an der Spaltgasse.

Sonntag war also Brezelbacktag. Doch schauen wir noch etwas weiter zurück in das Backnang vor 150 Jahren. Für das Jahr 1851 lässt sich eine Aufstellung von fast allen Sonntagen anfertigen, aus der zu ersehen ist, welcher Bäcker wann seinen Brezelbacktag hatte.

Brezelbacktage 1851 in Backnang
19. Januar 1851 Jakob Groß | 26. Januar 1851 David Beck | 2. Februar 1851 Spörle | 9. Februar 1851 Klumpp | 16. Februar 1851 Belz | 23. Februar Rosenwirt Kübler | 2. März 1851 Ackermann | 23. März und 25. März 1851 (Mariä Verkündigung) Bäßler | 30. März 1851 Jakob Beck bei der Krone | 6. April 1851 Gottlieb Häußer | 13. April 1851 Joseph Wahl | 4. Mai 1851 Jakob Müller | 11. Mai 1851 Kinzer | 1. Juni 1851 Friedrich Arnold | 8. Juni 1851 Kunberger | 15. Juni 1851 Stecker | 22. Juni 1851 Hiller | 
29. Juni 1851 Wahl | 6. Juli 1851 Christian Feeser | 13. Juli 1851 Jakob Beck bei der Krone | 20. Juli 1851 Ackermann | 3. August 1851 Karl Roos | 10. August 1851 Gottlieb Häußer | 17. August 1851 Johann Hahn neben dem Schwanen | 24. August 1851 Frau Bäcker Wolf | 31. August 1851 Klumpp | 7. September 1851 Oppenländer | 21. September 1851 Bäßler | 28. September 1851 Wahl | 5. Oktober 1851 Stecker | 12. Oktober 1851 Galgenmaier | 19. Oktober 1851 David Becks Witwe | 26. Oktober 1851 Hiller | 3. November 1851 Schwarz | 9. November 1851 Arnold | 16. November 1851 Johann Jakob Beck in der Sulzbacher Vorstadt | 23. November 1851 Spörle | 30. November 1851 Jakob Hahn beim Hirsch | 14. Dezember 1851 Kunberger | 21. Dezember 1851 Bäckeroberzunftmeister Belz

Daraus ist zu erkennen, dass es damals in Backnang mehr als dreißig Bäcker gab. Ein paar Bäcker hatten den passenden Namen Beck. Bei einigen Bäckern ist aus dem Zusatz des benachbarten Gasthofs zu erkennen, wo die Bäckerei war. Dies erfolgte, weil es eben mehrere Bäcker mit Namen Beck und Hahn gab. Jakob Beck war in der Nähe des Gasthauses zur Krone. Dieses befand sich am Ende der Schillerstraße an der Aspacher Brücke. Johann Jakob Beck war in der Sulzbacher Vorstadt, also in der heutigen Sulzbacher Straße und zwar im Eckgebäude an der Abzweigung des Koppenbergs. Johann Hahn hatte seine Bäckerei neben dem Gasthaus zum Schwanen in der Schillerstraße, die damals Schmiedgasse hieß. Jakob Hahn war beim Gasthaus Hirsch am Beginn der Korngasse, der heutigen Uhlandstraße.

Beckenwirtschaften
Es war damals durchaus üblich, dass Bäcker noch einen Ausschank mit dabei hatten. Die sog. Beckenwirtschaften gab es auch in Backnang. Diese waren kleiner als die Gasthöfe, die sog. Schildwirtschaften, die eben ein Wirtshausschild führen durften. Aus der Ankündigung seines Brezelbacktags, der 1851 bei Bäcker Christian Feeser am 6. Juli war, ist zu erkennen, dass es nicht nur Brezeln gab: „wozu ich mit dem Bemerken höflich einlade, daß ich auch guten Wein den Schoppen zu 2 kr. ausschenke.“ Auch Gottlieb Kunberger war Bäcker und Weinwirt. Daraus ging schließlich die Weinstube in der Marktstraße 30 hervor. Auch die Gaststätte zur Rose ist angeführt. Diese befand sich im untersten Teil der heutigen Stuttgarter Straße.

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Redaktion backnang.online | Klaus J. Loderer 

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